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Diskussionsabend in Osnabrück

Veränderung durch KI im Betrieb

Wie kann Künstliche Intelligenz (KI) in Unternehmen menschengerecht eingesetzt werden, welche Rolle spielt transferfähige KI und wie muss Qualifizierung künftig aussehen? Darüber diskutierten Fachleute aus Industrie, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften beim öffentlichen Diskussionsabend des VDI Technologiezentrums und der Plattform Lernende Systeme am 2. Dezember im Innovatorium in Osnabrück.

KI bietet ein hohes wirtschaftliches Potential für den Standort Deutschland, betonte Dr. Christian Berghoff vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gleich zu Beginn der Veranstaltung. Dies unterstreicht auch die Hightech Agenda der Bundesregierung.

Transferfähige KI als Chance für den Mittelstand

Im ersten Panel diskutierten die Expertinnen und Experten darüber, wie KI-Systeme praktisch in Betrieben eingeführt werden kann. Eine Schlüsselrolle spielen dabei transferfähige KI-Systeme, die erlerntes Wissen und Fähigkeiten aus einem Anwendungsbereich auf andere, ähnliche Aufgaben übertragen. Das spart Zeit und Kosten – ein Vorteil, der besonders kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommt. 

Genau diese Wiederverwendbarkeit erforscht das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Projekt „Transfer-Ansätze für Künstliche Intelligenz in der Industrie" (TransfAIr). „Wir sehen sehr positive Ergebnisse, die sich auf andere Bereiche und Betriebe übernehmen lassen“, berichtete Prof. Dr. Torben Weis von der Universität Duisburg-Essen (Konsortialführung des Projektes). 

Im Anschluss betonte der TransfAIr-Verbundpartner HARTING, dass der Erfolg solcher KI-Projekte maßgeblich von Change-Management und gezielter Qualifizierung abhängt. Sebastian Krömer und Jens Wandelt von der HARTING Technologiegruppe stellten den Ansatz vor, Beschäftigte durch KI-Bots mit klar definierten Aufgaben zu unterstützen. Das Unternehmen erprobt Anwendungen in einzelnen Use Cases, entwickelt eine Roadmap und skaliert erfolgreiche Lösungen. Eine KI-Leitlinie setzt den Rahmen dafür.

Prof. Dr. Ralf Buschermöhle von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Osnabrück ergänzte, dass KI längst fester Bestandteil des betrieblichen Alltags ist. Dr. Jonas Brinker (Senior Consultant bei fbeta), verwies auf erschwerende Rahmenbedingungen insbesondere für kleinere Unternehmen und plädierte dafür, Optionen nicht totzudiskutieren, sondern pragmatisch umzusetzen.

Rahmenbedingungen für KI im Betrieb

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmenden, welche Rahmenbedingungen Unternehmen für den KI-Einsatz benötigen. Dr. Arno Kühn, Bereichsleiter Advanced Systems Engineering beim Fraunhofer-Institut IEM, hob hervor, dass es jetzt entscheidend sei, „mit KI ins Machen zu kommen“. Dafür brauche es Orientierung, Prioritäten und professionelles Change-Management. Susanne Boll, Professorin für Medieninformatik und Multimediasysteme an der Universität Oldenburg ergänzte, dass Innovation am besten unter frühzeitiger Beteiligung der Beschäftigten funktioniere. Auch Ansätze aus dem Design Thinking ermöglichen es, die Fachkompetenzen der Beschäftigten ohne spezielle KI-Kompetenzen zu verwerten.

Einigkeit im Panel bestand darin, dass gerade KMU vor Herausforderungen bei der rechtlichen Einordnung von KI-Anwendungen stehen. Der EU AI Act biete zwar Rechtsicherheit, doch bei der Vielzahl der Regulierungen müssen KMUs genau darauf achten, welche ihrer Produkte betroffen sein werden, so Klaus Heine, Professor für Law and Economics an der Erasmus Universität Rotterdam. 

Die Sozialpartner IG Metall und NiedersachsenMetall beteiligten sich an der Diskussion und zeigten sich zuversichtlich, dass die hochkarätige deutsche Forschungsleistung durch enge Verzahnung von Wirtschaft, Politik und Forschung in Wirtschaftsleistung übersetzt werden kann und eine Transformation in den Unternehmen gelingen wird. 

Ausstellung mit KI-Demonstratoren

Bei der begleitenden Ausstellung von regionalen Akteuren und Projektpartner konnten die Teilnehmenden KI-Anwendungen direkt erleben. Das LEGO-Modell von Kompetenzzentrum Arbeitswelt.Plus/It's OWL zeigte zum Beispiel, wie KI in verschiedenen Industrien eingesetzt werden kann. 

Ebenfalls mit dabei waren die Hochschule Osnabrück mit der Transferinitiative GROWTH, das Mittelstand.Digital.Zentrum, die Universität Osnabrück mit Informationen zum neu geförderten KI-Reallabor Agrar, NiedersachsenMetall und die Industriegewerkschaft Metall.

Tipps für die Praxis: Handlungsleitfaden veröffentlicht

Ergänzend zur Diskussion stellten die Universität Duisburg-Essen und das VDI Technologiezentrum den Handlungsleitfaden „Künstliche Intelligenz: Change-Management und Qualifizierung der Beschäftigten“, der sich an IT, Human Resources, Management, Betriebsräte und Gewerkschaften richtet.

Fachliche Begleitung durch das VDI Technologiezentrum

Das VDI Technologiezentrum unterstützt das Verbundprojekt „TransfAIr“ in den Bereichen Qualifikation von Beschäftigten und Change-Management“ sowie dem Ergebnistransfer und der branchenübergreifenden Zusammenarbeit und Vernetzung beim Thema Transfer-Ansätze für KI in der Industrie.