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#TZExpertise

Ressourcen sparsam und effizient einsetzen

Über die steigende Bedeutung von Ressourceneffizienz für Unternehmen sprach #TZExpertise mit Dr. Christof Oberender, Teilbereichsleiter Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft beim VDI Technologiezentrum. 

Wenn wir vom Thema Ressourceneffizienz reden – was meinen wir damit eigentlich? 

Gemäß der Richtlinie VDI 4800 Blatt 1 ist Ressourceneffizienz das Verhältnis vom erzielten Nutzen zum Aufwand an natürlichen Ressourcen. Ressourcen können dabei nicht nur Primärrohstoffe wie Bodenschätze sein, sondern auch beispielsweise Fläche oder auch die Ökosystemleistung, also die Fähigkeit von Boden, Luft und Wasser, Emissionen und Abfälle aufzunehmen. Wenn wir von Ressourceneffizienz im betrieblichen Kontext sprechen, geht es aber zumeist um den effizienten Einsatz von Material, Energie und Wasser. 

Warum wird das Thema immer wichtiger? 

Die global verfügbaren Vorräte an natürlichen Ressourcen sind endlich: Ressourcen, die heute verbraucht werden, stehen kommenden Generationen nicht mehr zur Verfügung. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen auf Klima und Umwelt, die bei jeder Ressourcenentnahme entstehen, etwa im Bergbau.  

Hinzu kommt, dass Deutschland ein rohstoffarmes Land ist und daher auf den Import angewiesen ist, etwa von Technologie-Rohstoffen oder Energieträgern. Das macht uns wirtschaftlich besonders anfällig für Krisen, welche die Lieferketten stören oder unterbrechen, etwa die Corona-Pandemie oder der Angriffskrieg in der Ukraine. Gerade für Unternehmen ist Ressourceneffizienz auch aus der Kostenperspektive sinnvoll: Denn wenn bei gleichem Output weniger Material und Energie benötigt werden, sinken in der Regel die Kosten. 

Ressourcen so sparsam und effizient wie möglich einzusetzen, liegt also auf ganz vielen Ebenen in unser aller Interesse.

Wie ist Ihr Eindruck: Ist das Thema bei den Unternehmen schon angekommen? 

Über die Jahre hat das Thema Ressourceneffizienz immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist Insbesondere bei größeren Unternehmen mittlerweile in der strategischen Unternehmensentwicklung verankert. 

Bei kleineren und mittleren Unternehmen sehen wir hingegen ein zweigeteiltes Bild: Während einige bereits umfassende Maßnahmen ergriffen haben und sogar als Vorbild gelten, tun sich andere schwer. Manche scheuen die erforderlichen Investitionen oder verfügen nicht über die personellen Ressourcen, um sich damit auseinanderzusetzen. Wieder andere befürchten, dass sich die nötigen Anpassungen negativ auf die Sicherheit ihrer Prozesse oder die Qualität ihrer Produkte auswirken könnte.  

Der Anpassungsdruck nimmt jedoch zu: sei es durch gesetzliche Vorgaben, neue Nachhaltigkeitsanforderungen von Kundenseite oder dem Kostendruck.

Welche Rolle spielt das VDI Zentrum Ressourceneffizienz in diesem Kontext? 

Als VDI Zentrum Ressourceneffizienz nehmen wir im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) die Rolle als sogenanntes Kompetenzzentrum für betriebliche Ressourceneffizienz und Kreislaufführung in Deutschland ein. 

Unsere Aufgabe ist es, Informationen zu Umwelttechnologien und material- und energieeffizienten Prozessen und Technologien aufzubereiten und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Ressourceneffizienz zu steigern. Unsere Unterstützungsangebote sind überwiegend kostenfrei über die Website www.ressource-deutschland.de verfügbar und umfassen ein breites Spektrum an Themenschwerpunkten wie Produktentwicklung, Produktionstechnik, Chemie- und Verfahrenstechnik, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und Bauwesen. 

Wir unterstützen Unternehmen dabei, das Thema überhaupt erst einmal zu adressieren, gleichzeitig liefern wir konkrete Arbeitsmittel und Werkzeuge mit denen Unternehmen in die konkrete Maßnahmenplanung gehen können. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist hierbei ein wesentliches Ziel.  Darüber hinaus fördern wir mit unterschiedlichen Veranstaltungen und Netzwerkarbeit den Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Eine weiteres Feld ist die Erarbeitung von Richtlinien und Standards für Ressourceneffizienz – hier arbeiten eng mit dem VDI e.V. zusammen.

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen mit, die beim Thema Ressourceneffizienz noch ganz am Anfang stehen? 

Eine sehr gute Einführung bietet der von uns entwickelte Leitfaden Ressourceneffizienz. Dieser dient als Fahrplan, um Maßnahmen Schritt für Schritt im eigenen Betrieb umzusetzen: Von der Analyse über die Entwicklung und Bewertung von Lösungen bis hin zu deren Umsetzung. Hilfreich sind darüber hinaus unsere Tools: Ressourcenchecks, Prozessketten und Visualisierungen sowie Strategie- und Maßnahmen. Einen praxisnahen Einblick bieten auch die Videos auf unserem YouTube-Kanal. 

Als besonderen Service bieten wir auch eintägige Besuche bei Unternehmen vor Ort an. Dort stellen wir auf den Bedarf des Unternehmens zugeschnittene ausgewählte Unterstützungsangebote vor und identifizieren gemeinsam geeignete Maßnahmen und Aktionsfelder, um die eigene Ressourceneffizienz zu steigern. 

Über die Angebote des VDI ZRE hinaus, gibt es unterschiedliche Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten, die teilweise bundeslandspezifisch angeboten werden.

Info und weiterführende Links

Über den Interviewpartner 

 Dr. Christof Oberender ist Teilbereichsleiter Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft beim VDI Technologiezentrum. In seiner Funktion ist er als stellvertretender Projektleiter für das VDI Zentrum Ressourceneffizienz tätig, das im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) Unternehmen beim effizienten Einsatz von Ressourcen im Betrieb und innerhalb der Produktionsprozesse unterstützt.   

Zur Website des VDI Zentrum Ressourceneffizienz

Über #TZExpertise 

Im Interview-Format #TZExpertise geben Expert*innen aus dem VDI Technologiezentrum regelmäßig exklusive Einblicke in ihre jeweiligen Fachbereiche sowie relevante Fragestellungen.

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