Neues Förderprogramm: Photonik Forschung Deutschland

BMBF fördert den Aufbruch in die Photonik.

Meldung vom 30. Mai 2011 aus dem Bereich Forschungsförderung. Kategorie ist Optische Technologien. Quelle: VDI Technologiezentrum GmbH

Teilnehmer Podiumsdiskussion (v. li): Dr. Thomas M. Baer, Dr. Michael Mertin, Moderatorin Anja Kohl, Dr. Georg Schütte , Dr. Peter Leibinger, Prof. Dr. Andreas Tünnermann, Martin Goetzeler. Quelle: VDI Technologiezentrum GmbH, Foto: P. Loske

Das neue BMBF-Programm „Photonik Forschung Deutschland – Licht mit Zukunft“ wurde am 23. Mai 2011 von Staatssekretär Dr. Georg Schütte auf der Weltleitmesse für Lasertechnologie, der LASER – World of Photonics in München, vorgestellt. Es beschreibt die Strategie für die Photonik-Forschung in den kommenden zehn Jahren. Das Programm basiert auf der Arbeit von über 300 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, die in einem gemeinsamen Agendaprozess die Chancen und Herausforderungen der Photonik erarbeitet haben. Dazu gehören u. a. optische Verfahren in der Produktion, in der medizinischen Forschung oder die elektronische Erzeugung von Licht (LED, OLED). Auf der Basis erfolgreicher Forschungsprojekte wollen Politik und Wirtschaft gemeinsam die Wachstumschancen dieser neuen Märkte nutzen.

Die Optischen Technologien stehen für wirtschaftlichen Erfolg "Made in Germany". Dies bedeutet Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum sowie Arbeitsplätze in Deutschland. Um die verschiedenen Nutzungsformen des Mediums Licht ist ein Hochtechnologiezweig entstanden, der international auch als „Photonik“ bezeichnet wird. In vielen Anwendungsgebieten gehört Deutschland zur Weltspitze. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat nun mit dem Programm „Photonik Forschung Deutschland – Licht mit Zukunft“ seine Strategie dazu vorgelegt.

Das neue BMBF-Programm formuliert für die Forschungsförderung sechs Leitlinien:

  • Photonik in wichtigen Wachstumsmärkten nutzen: Die Photonik wird immer stärker zur Schlüsseltechnologie für Energieeffizienz, Kommunikation, Gesundheit, also für wichtige Zukunftsmärkte. Das Programm soll die damit verbundenen Chancen gezielt nutzen, zum Beispiel durch den Aufbau neuer Allianzen zwischen Photonik und ihren Anwendern.
  • Integrierte photonische Systemtechnologie aufbauen: Die Photonik steht heute an einer Schwelle, die vergleichbar ist mit dem Übergang von der konventionellen Elektronik zur Mikroelektronik in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Künftig werden Halbleiterlichtquellen und optische Halbleiter-Bauelemente wesentliche Grundbausteine der Photonik sein. In diesem Wandel sollen deutsche Institute und Unternehmen mit Forschungsvorhaben unterstützt werden.
  • Photonische Prozessketten realisieren: Die klassischen technologischen Kompetenzen der deutschen Wirtschaft in der „Produktion von Produktivität“ sollen durch den Einsatz photonischer Verfahren  ergänzt und in Richtung flexibler, energieeffizienter und digital integrierter Produktion weiterentwickelt werden.
  • Forschen, Vorbeugen und Heilen mit Licht: Die Biophotonik ermöglicht es, Lebensprozesse genauer zu untersuchen und Krankheiten grundsätzlich zu erforschen. Auch in der Umwelt- und Analysetechnik bietet das Licht innovative Lösungen.
  • Die Basis der Photonik ausbauen: neuartige Strahlquellen, Optiken, Materialien: Deutschland muss seine technologischen Kernkompetenzen in der Photonik schützen und gezielt ausbauen und das Wechselspiel zwischen wissenschaftlicher und angewandter Photonik stärken, um neue Forschungsgebiete frühzeitig zu erschließen.
  • Photonik kommunizieren und vernetzen: Forschung und Innovation brauchen den Dialog mit der Gesellschaft. Es wird ein wichtiger Bestandteil des Programms sein, über die Photonik zu informieren und die Forschungsanstrengungen hierzu zu erklären. In besonderer Weise gilt das für die Kommunikation über die Möglichkeiten der Photonik bei der Berufs- und Studienfachwahl.

Die Präsentationsveranstaltung unter dem Titel „Innovation. Zukunftsmärkte. Deutschland. Der deutsche Weg im globalen Rennen um die Photonik“ begann mit einer symbolischen Demonstration, wie die Photonik als Schlüsseltechnologie neue Anwendungsbereiche und Wachstumsmärkte erschließt: Martha Cohen, Absolventin der Hochschule München für Musik und Theater, spielte auf einer speziellen Geige, deren Klangkörper und Steg in einem Stück im 3D-Laserdrucker gedruckt wurde.
In einer darauf folgenden Podiumsdiskussion erörterte ARD-Börsenmoderatorin Anja Kohl mit den hochkarätigen Photonik-Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft die strategische Weichenstellung der deutschen Photonik-Branche für die nächsten Jahre.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren

Der Hintergrund: Von der Initiative Photonik 2020 zum Förderprogramm
Der Weg zum neuen BMBF-Förderprogramm begann auf der letzten Lasermesse in München. Die „Initiative Photonik 2020“, zu der sich führende Repräsentanten aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen geschlossen hatten, präsentierte am 15. Juni 2009 der Öffentlichkeit das „Memorandum Photonik 2020 – Lösungen aus Licht“. Die Initiative forderte die Fortsetzung des gemeinsamen, erfolgreichen Vorgehens von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Im März 2010 startete die Branche mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) einen industriegeführten Strategieprozess in Berlin. In mehreren Workshops wurde gemeinsam eine verbindliche Strategie erarbeitet und die Leitlinien zur Forschung und Entwicklung der Photonik in Deutschland für die nächsten Jahre festgelegt. Die Ergebnisse der Workshops wurden in den anschließenden Monaten vom Programmausschuss Optische Technologien in der „Agenda Photonik 2020“ zusammengetragen, die am 30. November 2010 schließlich an die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Anette Schavan, überreicht wurde. Das BMBF wertete die Agenda auf staatlichen Handlungsbedarf hin aus, und erarbeitete das neue Förderprogramm „Photonik Forschung Deutschland“.

Wirtschaftsfaktor Photonik – eine deutsche Spitzenbranche
Im vergangenen Jahr wies der Weltmarkt für Optische Technologien ein Produktionsvolumen von 250 Milliarden Euro auf. Der deutsche Anteil am Weltmarkt beträgt gut neun Prozent (22 Milliarden Euro), bei einer Exportquote von knapp 70 Prozent. Die rund 1.000, überwiegend mittelständisch geprägten Photonik-Unternehmen weisen seit Jahren ein Wachstum von etwa acht Prozent pro Jahr auf. Zurzeit sind in Deutschland etwa 125.000 Menschen in der Branche beschäftigt. Bis zum Jahr 2015 will die Branche 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Photonik zählt in Deutschland zu den fünf Schlüsseltechnologien, und gilt als wichtigste Zukunftstechnologie mit großem Wachstumspotenzial. Basis für diesen Erfolg ist die Innovationskraft der Photonik-Branche mit ihren exzellent ausgebildeten Mitarbeitern und mit Investitionen in die Forschung und Entwicklung in Höhe von 13,4 Prozent des Umsatzes (2010). Aufgrund dieser Forschungsnähe hat die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft eine besondere Bedeutung für die Photonik. Zunehmend formiert sich die Photonik-Branche in Deutschland, tritt in vielen Bereichen geschlossen auf und treibt Innovationen gemeinsam voran. So verpflichtete sich die Wirtschaft, in den nächsten zehn Jahren mit etwa 30 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung am Standort Deutschland zu investieren.

Weitere Informationen finden Sie auf www.optischetechnologien.de unter dem Menüpunkt BMBF-Veranstaltungen

Tags: Photonik, BMBF, World of Photonics